DAS ERSTE GLÜCKLICHE GEFÜHL

Ein Text von Emely Ruboks

„Wie verliebt man sich? Wozu braucht man Sex? Wie genau funktioniert Sex? Und woran merke ich, ob ich verliebt bin?“, sind Fragen, die sich seit Jahrzehnten jeder stellt. Verliebte Menschen beschreiben dieses wunderbare Gefühl sehr verschieden, aber immer als etwas besonders schönes. Wer allerdings unglücklich verliebt ist, der ist arm dran. Denn unerfüllte Liebe kann sehr weh tun. Hier geht es aber vor allem um das erste glückliche Gefühl, wenn du einem Menschen begegnest, der nicht mehr aus deinem Kopf will – und auch nicht aus deinem Herzen. Über die berühmten Schmetterlinge im Bauch, über plötzliche Sprachlosigkeit und auch das erste Mal sprachen wir vor einigen Tagen mit den Schülerinnen der Edith-Stein-Schule

MORGENS UM 8:30 UHR ÜBER LIEBE SPRECHEN – GEHT DAS?


Um 8:30 Uhr sollte es losgehen. Ich war sehr gespannt darauf, wie die Schüler*innen auf uns und die zwei riesigen Themen, die wir dabei hatten, reagieren würden. Es war für mich etwas ganz besonders zu sehen, wie die Schüler*innen mit diesen wirklich intimen Themen umgehen. Bis vor sechs Jahren war ich selbst noch Schülerin einer 9. Klasse und wurde zu diesen Themen befragt. Nun sitze ich also vor lauter 14-15 Jährigen, die den Mut haben, uns von Ihren intimsten Gedanken und bisherigen Erfahrungen zu berichten: „Ganz schön aufregend“, denke ich mir.

DANN GING ES LOS…


Gruppenweise und in einer lockeren Atmosphäre haben wir die Schüler*innen zu den Themen Liebe & Sexualität befragt: Ca. die Hälfte der Schüler*innen war schon mal verliebt, nur wenige waren schon in einer Beziehung.
Wir haben die Schüler*innen gebeten, ihre Fragen zu den Themen aufzuschreiben, um sie dann anonym vorzulesen und in der Gruppe zu diskutieren, – hierbei sind erstaunlich tiefgründige Gespräche entstanden.

WER IST FRÜHER REIF?

Eine immer wieder aufkommende Frage der Jugendlichen war, welches Geschlecht schneller zur Reife gelangt und weshalb Mädchen sich oft für einen älteren Jungen interessieren. Dabei konnte man deutlich sehen, dass die Meinungen von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich ausfielen. Ich denke, manchmal gibt’s halt unterschiedliche Empfindungen. Die einen beschrieben, dass Jungs früher Interesse an Sex haben als Mädchen. Die anderen erzählten, dass Mädchen sich nicht für gleichaltrige Jungs interessieren, weil diese zu kindisch sind. Wieder andere waren der Meinung, dass die Frage nach der Reife ganz von der Person abhängig ist.

ÜBER DEN MUT, OFFEN ZU SPRECHEN


Doch spannend zu sehen war vor allem, dass die Jungsgruppen sehr aufgeschlossen und offen über die Themen Liebe und Sexualität kommuniziert haben, wohingegen die Mädchen recht zurückhaltend und ein wenig verschlossen auf mich gewirkt haben. Es war zu merken, dass sie diese zwei „angsteinflößenden“ Themen vorerst mit sich selbst verarbeiten möchten und noch nicht dazu bereit waren, ihre Gedanken mit anderen zu teilen. Da ich vor gar nicht langer Zeit selbst in der Situation der jungen Schülerinnen war, konnte ich mich sehr gut in diese hineinversetzen. Ich muss zugeben, dass ich selbst in diesem Alter niemals den Mut gehabt hätte, mit fremden Personen über diese intimen Themen zu sprechen. Umso beeindruckender für mich, mit was für einer Selbstverständlichkeit die Jungen mit uns sprachen.
Denn plötzlich sind sie da: Emotionen, wie du sie noch nie zuvor erlebt hast. Zudem stehen viele neue Erfahrungen vor der Tür: das erste Verliebtsein, die erste Beziehung, der erste Liebeskummer und auf einmal fängt man an, nicht nur körperlich zu reifen, sondern auch innerlich. Man beginnt, eigene Ansichten zu entwickeln, möchte Neues ausprobieren, sich verlieben und geliebt werden.

LIEBE ALS SELBSTENTDECKUNG


Denn: Du bist dabei, dich selbst zu entdecken. Es stellt sich die Frage, zu welchem Geschlecht wir gehören und wem wir unsere Gefühle widmen. Das verursacht eine Achterbahn der Gefühle. Das ist schon eine Menge neuer Erfahrungen, denke ich innerlich.
Einige Jugendliche bekommen dabei Unterstützung von ihren Eltern , viele nutzen allerdings das Internet um sich zu informieren. Auch dort gingen die Meinungen auseinander. Ein Mädchen erzählte uns, dass sie ihre Eltern manchmal nach Fremdbegriffen zum Thema Sexualität fragt. Wie schön zu hören, dass es Menschen gibt denen die Schüler*innen vertrauen können.

Das PERFEKTE DATE

Faszinierend zu sehen war aber auch, dass eine Jungsgruppe bereits eine deutliche Vorstellung davon hatte, was sie einmal für eine Beziehung führen möchten. Zudem haben sie uns ihre Vorstellungen von einem perfekten Date verraten: Sie träumen von einem romantischen Essen bei Kerzenschein und anschließendem Strandspaziergang. Wie romantisch, dachte ich. Gegensätzlich waren sich viele einig, dass sie über die Zickigkeit und den Stress, den ein Mädchen auslöst, die Kontrolle gewinnen müssen und das Zepter übernehmen wollen. Lästern und Weitertratschen sind Sachen, über die sie sich besonders ärgern. Innerlich musste ich ein wenig schmunzeln, was für veraltete Vorstellungen die Schüler haben. Doch andererseits erzählten sie uns, dass sie für deutlich robuste und burschikose Frauen wie die Raperinnen Juju, Celiné und Loredana schwärmen. Ich staune, denn für mich verkörpern jene Frauen ein Gefühl von Macht und Stärke. Wenn ich mich erinnere, hatten zu meiner Zeit viele Jungs hauptsächlich Augen für süße, zierliche Mädchen – in ihren Zimmern hingen Poster von Stars, wie z. B. Selena Gomes. Ich konnte merken, dass die Schüler zwar deutliche Vorstellungen haben, aber bei dem Weg diese zu erreichen, noch einige Unsicherheiten da sind. Aber, dass es nicht nur auf die äußerlichen Merkmale einer Person ankommt, ist klar. Genau, wie es in einer Beziehung nicht nur um Liebe geht.

KANN LIEBE FREUNDSCHAFT SEIN?

Eine Schülerin fragte, was eine Beziehung, abgesehen von Liebe, ausmacht. Sie wollte wissen, ob auch Freundschaft dabei eine Rolle spielt. Ich persönlich denke, dass eine Beziehung durch Zusammenhalt, Spaß, Unterstützung und jede Menge Vertrauen gekennzeichnet ist. Denn es gibt nicht nur sonnige Zeiten und gerade in diesen Zeiten füreinander da zu sein, ist das Wichtigste. Nach dieser Antwort lächelte die Schülerin zufrieden. Also Fazit: Wie das jeweils andere Geschlecht tickt, was es denkt und fühlt, war ein zentrales Thema an diesem Vormittag. Abschließend kann ich sagen, dass es sehr viel Spaß gemacht hat, zu sehen wie Schüler*innen zu Liebe und Sexualität stehen und was sie gegenseitig für Vorurteile vermuten.
Ich denke, ich konnte fühlen, wie sie sich in den Momenten gefühlt haben, da ich an mein 14.Lebensjahr zurückdenken konnte.

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